25 Jahre EPTA Schweiz

Ein persönlicher Rückblick von Fritz Ruch

im Rahmen des Jubiläumskongresses
im Konservatorium Winterthur
vom 7. November 2009

25 Jahre ist für einen Verband, auch einen musikorientierten, schon ein Alter, bei dem ein Rückblick zweifellos gerechtfertigt ist. Vieles hat sich in diesen zweieinhalb Jahrzehnten ereignet und verändert, im Weltgeschehen und auch in der Kultur. Die heutzutage so rasche Entwicklung der Zeit, aber auch der Musikerziehung und von uns selbst spiegelte sich zwangsläufig auch da und dort wider in unseren Veranstaltungen und deren Inhalten.

Die „European Piano Teachers Association“ war 1978 von der kürzliche verstorbenen Carola Grindea in England gegründet worden. Als eine der ersten Sektionen folgte 1980 Deutschland. 1984 dann wurde die schweizerische Sektion gegründet.  Erste Bemühungen führen allerdings noch rund 5 Jahre weiter zurück.

Vor allem durch meine Cembalolehrerin Edith Picht-Axenfeld erfuhr ich davon, war sie doch von Anfang an im damaligen Dreier-Präsidium der bundesdeutschen Sektion sehr aktiv beteiligt. Schon an ihrem ersten Kongress im Schwarzwald konnte ich als Gast teilnehmen, und in den folgenden Jahren besuchte ich dann mehrere Tagungen in der BRD: in Würzburg, Saarbrücken und später auch noch in Hannover und Berlin. Hier bekam ich Einblick in die Aktivitäten dieses Verbandes.  

Bereits 1981 sandte ich, angeregt durch diese Tagungsbesuche, ein Rundschreiben an eine Reihe von Musikern der deutschsprachigen Schweiz. Das Echo war noch gering, und keine der angesprochenen Personen war bereit, eine aktive Aufgabe zu übernehmen.

Aber ich gab nicht auf. Es wurden auf verschiedenen Wegen weitere Kontakte gesucht, gefunden und geknüpft, und ein zweiter Anlauf führte dann zum Erfolg. Im Januar 1984 fand in Zürich – im 1.Stock des Bahnhofbuffets - eine erste Besprechung zur Gründung einer schweizerischen Sektion statt. Ich traf mich mit Klaus Wolters, Christian Spring, Charles Dobler, Leonore Katsch und Thomas Csuka in den folgenden Monaten mehrmals zu immer konkreteren Gesprächen.  

Wir alle und zusätzlich noch Anne-Françoise Wehrlé als Vertreterin der Suisse romande wurden dann am Gründungskongress vom Oktober 1984 in Schaffhausen als Vorstand gewählt.

Zu der vielseitig programmierten Tagung mit Beiträgen von Prof. Kurt v.Fischer, Werner Müller-Bech u.a. erschienen über 80 Teilnehmer. Das war ein verheissungsvoller Beginn, und ich freue mich, dass auch heute noch eine ganze Reihe der damals Anwesenden unserem Verband angehören.

Die Mitgliederzahl entwickelte sich dann in den ersten Jahren ganz erfreulich; wir erreichten recht bald die Zahl 200 und später überschritten wir auch die 300. Stärkeren Schwankungen unterworfen war die Teilnehmerzahl an den Tagungen; aber immerhin gab es einzelne zweitägige Kongresse um 1990 herum mit gegen 200 Teilnehmenden.

Der EPTA gehören heute sämtliche europäischen Staaten in rund 40 Sektionen an; daneben gibt es noch etwa ein halbes Dutzend assoziierte Vereinigungen in aussereuropäischen Ländern. Jedes Jahr wird in einem anderen Land ein Europäischer Kongress durchgeführt, an welchem in der Regel auch die Schweiz vertreten ist.  -  Bereits im Jahre 1992 beherbergten wir diesen dreieinhalbtägigen Kongress in Luzern, was natürlich viel zusätzliche Ansprüche an die ganze Organisation, aber auch viele interessante Kontakte brachte.

Die Beziehungen vor allem zu unseren Nachbarsektionen waren von Anfang an sehr gut; wir luden auch immer wieder Referenten und Referentinnen besonders aus Deutschland ein, und gelegentlich waren auch Frankreich, Österreich und andere Staaten vertreten.

Der Vorstand setzte sich in der Regel aus 7 Mitgliedern aus verschiedenen Landes-regionen zusammen.  Gleich an der Gründungsversammlung stellte sich Klaus Wolters als Präsident zur Verfügung und Charles Dobler wurde als Vizepräsident gewählt. Ich selber übernahm, vorderhand zusammen mit Christian Spring, die administrativen Aufgaben. Christian war schon mit einem Computer ausgerüstet und führte in den ersten Jahren die Adressenliste, vor allem dann aber während vielen Jahren die Kasse. 

Die über lange Zeit konstante Zusammensetzung des Vorstands zeigt sich schon darin, dass das Präsidium bis heute erst zweimal und das Sekretariat erst einmal gewechselt hat. Klaus Wolters bekleidete sein Amt von 1984 bis 1996, Francis Schneider hierauf von 1996 bis 2005, und seither ist es in den Händen von Brigitte Bernhard. - Die ganze Sekretariatsarbeit konnte ich nach über 20 Jahren auf Ende 2007 an Niklaus Meyer übergeben; er übernahm in verdankenswerter Weise auch die stark damit verknüpfte Tagungsorganisation.

In all den Jahren seit der Gründung organisierten wir jährlich mindestens zwei Veranstaltungen, in der Regel eine eintägige im Frühjahr und einen zweitägigen Kongress im Herbst, immer wieder in anderen grösseren oder kleineren Städten. - Nicht immer war es einfach, geeignete Referenten zu finden, auch wenn es im Vorstand kaum je an Ideen und Vorschlägen fehlte.

Die Programme unserer Tagungen deckten ein weites Feld der Musikpädagogik ab, aber auch pianistische Elemente, Interpretations- und andere Fragen boten den Zuhörern eine reiche Palette von Anregungen. Wir können dies gut einsehen in den bis 2004 jährlich ein- bis zweimal erschienenen Dokumentationen, in welchen ein grosser Teil der Referate festgehalten ist. Diese Broschüren wurden an die Mitglieder versandt und sind teilweise bis heute noch erhältlich. In der letzten Ausgabe aus dem 20-jährigen Jubiläumsjahr (2004) findet sich eine detaillierte Zusammenstellung sämtlicher Tagungen.

Nebst allen Organisationsfragen beschäftigten den Vorstand natürlich auch die zeitweise knappen Finanzen und damit im Zusammenhang die Festsetzung von Mitglieder- und Teilnahmebeiträgen. –  Ein während Jahren anhaltendes Problem verursachten uns aber vor allem die Tagungen in der französischen Schweiz. Trotz grosser Bemühungen und vielfältiger Angebote fanden sie einfach keine genügende Resonanz und mussten daher vor ein paar Jahren leider ganz aufgegeben werden.

Aber Schwierigkeiten führen ja oft auch zu positiven Ideen, zu neuen Aspekten und Perspektiven. Sicher kann eines gesagt werden: Der heutige Vorstand bemüht sich in guter und konstruktiver Zusammenarbeit, die EPTA trotz teilweise veränderten Zeitumständen auf dem bisherigen Niveau zu halten und in eine ebenso spannende wie anregende Zukunft zu führen.

Möge unsere wichtige Vereinigung weiterhin ihre Ausstrahlung behalten und stets auch neue interessierte Mitglieder finden.  Dies wünsche ich der EPTA-Schweiz, bei deren Geburt ich mithelfen durfte und deren Vorstand ich nun mit dem heutigen Tag verlasse, von ganzem Herzen.